Mehr Aufmerksamkeit für den Lebensraum Küstengewässer

BUND Ortsgruppe Salzhaff-Rerik
Die Ortsgruppe Salzhaff-Rerik des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Landesverband M-V, besteht seit 2008 und ist seit 2009 online. Sie ist aus einer Initiative von Bürger*innen gegen den Flugplatz Zweedorf hervorgegangen, der in unmittelbarer Nähe zum Europäischen Vogelschutzgebiet Wismarbucht/Salzhaff an der Ostsee situiert ist.
Mittlerweile ist die Ortsgruppe in etlichen, küstennahen Gemeinden der Landkreise Rostock und Nordwestmecklenburg entlang der Wismarbucht aktiv.
Die Wismarbucht von Rerik im Osten bis Boltenhagen im Westen und die Salzhaffregion zählt zu den wertvollsten Küsten- und Meereslebensräumen Deutschlands. Viele gefährdete Vogelarten haben hier ihr Brut-, Mauser- oder Rastrevier. Auch Robben und andere Meeressäuger sind hier wieder anzutreffen. Zudem hat die Region botanisch eine ganze Menge zu bieten. Es gibt endemische Arten wie das Wismarer Hügel-Fingerkraut (Potentilla wismariensis), das nur hier vorkommen. Untermeerische Seegraswiesen im Flachwasser mit einzigartigen Pflanzengesellschaften spielen eine wichtige Rolle als Kinderstube für Fische und als Nahrungsquelle für Wasservögel wie Höcker- und Singschwäne.
Die Wismarbucht ist Teil des sog. Grünen Bandes. Das grüne Band ist eine Naturschutzinitiative, durch die der, während des kalten Krieges entstandene, naturnah belassene Grenzstreifen entlang des sog. „eisernen Vorhangs“ erhalten werden soll. Der Grenzstreifen ist Rückzugsgebiet und Wanderkorridor für mehr als 1200 gefährdete Pflanzen- und Tierarten.
Die Ortsgruppe hat Ende 2020 über 40 Mitglieder und mindestens genauso viele Talente, die sich in verschiedensten Projekten engagieren und für Umwelt und Natur einsetzen.
Naturschutz für den Mensch
Wir engagieren uns für Natur und Umwelt, also öffentliche Güter, die unser aller Lebensgrundlage sind. Aber auch der Mensch selbst ist eine schutzbedürftige Art, die leider immer wieder durch Individuen der eigenen Art gefährdet wird. Das Muster ist oft dasselbe: wenige Menschen stellen ihre eigenen Interessen über die des Allgemeinwohls.
Als ein ganzer Landstrich durch illegal fliegende Flugzeuge von einem illegalen Flugplatz verlärmt wurde, waren wir Umweltschützer es, die mit großem finanziellen und zeitlichen Aufwand Fehlleistungen von Behörden und deren Verbrüderung mit einer kleinen Gruppe illegal aktiver Flugbegeisterter aufgedeckt haben. Unser Engagement hat schon jetzt zu einer weitgehenden Beruhigung geführt, für die uns viele Menschen in der Region dankbar sind.
Als ein ganzer Bach durch Ammoniak und Schwermetalle vergiftet wurde, – mit der Tötung sämtlicher Fische und anderer Lebewesen –, waren auch wir wieder aktiv, um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Wir konnten zeigen, dass Ursache eine nicht sachgerecht betriebene Schweinemastanlage war. Auch hier engagieren wir uns mit anderen Organisationen wie dem Landesanglerverband zusammen dafür, dass eine Lebensader der Region und beliebtes Ausflugsziel und Angelgrund in Zukunft vor solchen Attacken der industriellen Landwirtschaft geschützt wird und Politik und Aufsichtsbehörden ihre Kontrollfunktion endlich ernst nehmen.
Als ein Staatssekretär im Landesministerium zusammen mit seinen Wassersportfreunden beschloss, große Teile der Wismarbucht für ihren, privaten Freizeitspaß zu beanspruchen, sind wir dem entgegengetreten. Einen ganzen Uferbereich erklärten die Surfer zu ihrem Privatgelände, der früher vielen Menschen der Region ein Erholungsbereich und die kleine, verschwiegene Badestelle war, wo sie schwimmen gelernt hatten. „Betreten verboten“-Schilder und nicht mehr das vielstimmige Konzert der Wasser- und Wattvögel war die „schöne“ neue Welt dieser Surfer. Das hatte offensichtlich nichts mehr mit Allgemeinwohl zu tun. Auch hier haben wir Abhilfe schaffen können. Wir konnten zeigen, dass der gesamte Surfspot illegal errichtet worden war und erwirkten eine Nutzungsuntersagung bei der zuständigen Behörde. Auch an anderer Stelle haben wir illegal aufgestellte Schilder „Baden verboten“ im selbst ausgerufenen „eigenen Revier“ einer kleinen Surfergruppe entfernt. Die Natur gehört ja nicht nur ihnen.
